Superstars vom Subkontinent – Musikszene Indien

Das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen von Bollywood: auf der Berlinale hat Indiens Megastar Shah Rukh Khan den Streifen „My Name is Khan“ („Mein Name ist Khan“) vorgestellt. Nur wenige Monate später kam er zurück nach Berlin, um die Fortsetzung des Agententhrillers „Don 2“ zu drehen – immer begleitet von einem großen Spalier an Fans. Das Interesse an indischer Kultur wächst hierzulande Jahr für Jahr. Woran liegt das? Und: hat Indien noch mehr zu bieten als die schrillbunte Bollywood-Welt?

Bleiben wir zuerst bei den Stars. Der indische Sänger Kailash Kher hat in den vergangenen sieben Jahren eine unglaubliche Karriere hingelegt. Sein Durchbruch kam durch einen Filmsong zustande. Und wenn in Indien zuerst über einen Song geredet wird und dann erst über den dazugehörigen Film, dann hat man es geschafft. „Allah Ke Bande“ hieß der Hit aus dem Film und ganz Indien kannte plötzliche diese neue Stimme. Eine Stimme, die viele Menschen an den großen Qawwali-Sänger Nusrat Fateh Ali Khan erinnerte, der vor 15 Jahren verstorben ist.

Und was macht Kailash Kher? Er fühlt sich geehrt und setzt einen neuen Meilenstein im Genre „Sufi-Soul“. Er bleibt nicht an der schillernden Bollywood-Oberfläche, sondern er geht tiefer in die mystischen Urgründe, die Geschichten und Gedichte des Subkontinents. Es geht um die hingebungsvolle Liebe, das zentrale Thema der Sufilehre. Im Ohrwurm-Song „Turiya Turiya“ wird ein Bogen geschlagen vom Sufi-Gelehrten Baba Farid Ganj-eh aus dem 12. ins 21. Jahrhundert. Dagegen ist das im Internet gebündelte digitale Wikipedia-Wissen fast schon machtlos. Die uralten Texte und Traditionen der Sufi-Mystik mit modernen Arrangements und Beats zu verbinden, das ist Kailash Kher auf dem Album „Yatra (Nomadic Souls)“ hervorragend gelungen. Zwei Brüder haben ihn dabei unterstützt: Naresh und Paresh Kamath, die früher in der Rockband „Bombay Black“ jammten. Keine Berührungsängste mit Rock, Funk, Elektronik und sogar Reggae zu haben: das hat Kailash von den beiden Kamaths gelernt.

Nordindische Musik habe ihn besonders geprägt, sagt Kailash: „Diese Einflüsse werden in meiner Musik immer präsent sein! Ich hoffe, daß ich auch dazu beitrage, daß diese Traditionen nicht vergessen werden“. Dabei ist Kailash selbst eine „Nomadenseele“ (so der Titel des Album „Yatra“ in der deutschen Übersetzung). Es ist nicht wirklich die Underdog-Story aus dem Erfolgsfilm „Slumdog Millionaire“, aber auch Kailash arbeitete sich vom unbekannten Künstler hoch zum indischen Popstar. Zur landesweiten Popularität haben auch seine Jobs als Juror und Moderator bei MTV und „Indian Idol“ (dem Pendant zu „Deutschland sucht den Superstar“) beigetragen. Aber jetzt will er mehr: den Rest der Welt erobern, Konzerte in Europa sind für dieses Jahr geplant. In der Desi-Szene der Exil-Inder weltweit ist Kailash sowieso durch das Internet präsent, genau wie jene Bands, die vor 15 Jahren den Hype um den sogenannten „Asian Underground“ losgetreten hatten.

Was ist aus ihnen geworden? Shri alias Shrikanth Sriram, der legendäre Bassist („Drum the bass“) hat zuletzt Filmmusik für die Bollywood-Komödie „Bara Aana“ gemacht. Talvin Singh, der Erfinder des Begriffs „Asian Underground“ und früherer Clubmacher („Anokha“), tourt als gefeierter Tabla-Virtuose über die Festivals der Welt, zuletzt mit einem Trio um Terry Riley sowie Erik Truffaz. Singh ist längst in die Fußstapfen zweier anderer bekannter Percussionisten und Tablaspieler getreten: Trilok Gurtu und Zakir Hussain. Nicht zu vergessen den in Bangladesch geborenen Badal Roy, der in den siebziger Jahren auf dem wegweisenen Miles-Davis-Album „On The Corner“ für die indischen Tablaklänge verantwortlich war.

Um zwei weitere wichtige Acts aus der Londoner Fusion-Szene scheint es – zumindest hierzulande – eher still geworden zu sein: die politisch wichtige und live unschlagbare Gruppe „Asian Dub Foundation“ (ADF) veröffentlichte 2008 ihr letztes Album, das siebte Werk „A History Of Now“ ist für Februar 2011 angekündigt. Gerade hat die Band vier Livegigs in Indien absolviert, ihre ersten überhaupt. ADF-Mitglied Deeder Zaman kommt ebenfalls im Frühjahr mit einem neuen Album namens „Pride Of The Underdog“, produziert von Adryan Sherwood („On-U-Sound“). Die Fans dürfen also gepannt sein.

Und was ist mit Nitin Sawhney, dem intellektuellen Kopf der british-asians? Jenem Mann, der mir mal in einem Interview den Satz sagte: „Worldmusic chicagobearsjerseyspop is a Recherche racist zwierzaków term“. Weltmusik sei als Genrebezeichnung perse schon „rassistisch“. Der 46jährige Multiinstrumentalist gewann 2000 den Mercury-Prize für sein wahrscheinlich bestes Album „Beyond Skin“ und tourte anschließend mit Sting um die Welt. Im Mai erscheint sein neues Album „Last Days of Meaning“ – eine erneute Auseinandersetzung mit der ersten Migrantengeneration aus den früheren britischen Kolonien. Der Ort für die Releaseparty zeigt die Richtung auf: die Royal Albert Hall in London wird es sein. Zuletzt hatte Sawhney in Sydney mit einem klassischen Orchester einen Soundtrack zum indischen Stummfilm „Prapancha Pash“ aus dem Jahr 1929 aufgeführt. Der Mann ist also weiterhin in einem breiten Spektrum unterwegs, vom DJing bis zur Produktion von Film- und Computerspielmusik und nun auch Klassik.

Was die Clubs betrifft, ist jedoch längst eine neue Generation junger Produzenten angetreten. Nicht nur in den indischen Communities in Großbritannien und Kanada, sondern mittlerweile auch den indischen Metropolen selbst. Die dort aktiven Veranstalter und Djs wissen, daß sie Aufbauarbeit leisten. Noch ist die Szene klein und überschaubar. Aber die Demografie des Subkontinents spricht für eine riesige Expansion in den nächsten Jahren und Jahrzehnten. Die Berliner Clubcommission und das Goethe Institut Neu Dehli hatten im Herbst einige Aktivisten aus indischen Metropolen zur Popkomm eingeladen. Darunter auch das DJ-Duo B.L.O.T alias DJ Gaurav Malakar und Veejay Avinash Kumar aus Neu Dehli. „Unser größtes Problem ist es, daß die indischen Clubs schon um halb eins nachts wieder zumachen müssen“, so Gaurav. Trotzdem gebe eine Dehli, Bombay, Bangalore und Poona eine funktionierende Clubszene. „Wir sind alle full-time Musiker, und verdienen unser Geld damit“, so die beiden Promoter und ihr Kollege Sohail Arora von der Booking-Agentur „Krunk“ ergänzt: „In den letzten drei Jahren hat sich unglaublich viel getan“. Die indische Musikjournalistin Priyanka Blah arbeitet ebenfalls für die vor zwei Jahren gegründete Agentur. Sie ist aber auch Sängerin des Elektro-Duos „Tempo Tantrick“ aus Bangalore. „Es gibt nur vier Live-Bands, die etwas ähnliches wie wir machen“, erklärt Priyanka. „Es mag überraschend sein für deutsche Ohren, daß wir überhaupt elektronische Bands haben. Es gibt in Indien aber auch tolle Venues und Fans!“. Sie selbst sei von westlicher Musik geprägt worden, von Bands wie Daft Punk und den Chemical Brothers. Ihr Projekt sei demnach auch auf der Suche nach einem „globalen“ Sound für eine zwar kleinere, aber durchaus moderne Zielgruppe in Indien – jenseits des Bollywood-Sounds. Vom indischen Staat gebe es bislang keinerlei Unterstützung, bemängelt Priyanka. „Das Geld wandert komplett in die Filmindustrie“. Auch Ma Faiza ist nicht zufrieden mit der aktuellen Situation für Diskjockeys in Indien. Aber sie kennt vergleichbare Dinge auch aus Ibiza. Und freut sich eher über die Aufbauarbeit, die derzeit in Indien geleistet wird. „Die nächsten zehn Jahre werden sehr interessant!“. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung sei unter 30 Jahre alt, die finanzstarke Mittelklasse werde größer. „Da steckt also auch Geld drin, um die Szene größer zu machen!“.

Ein Aushängeschild in der Clubszene ist das „Bluefrog“ in Mumbay. Nicht nur als Liveclub die erste Adresse Indiens, sondern auch bekannt für seine integrierten Aufnahmestudios. Die österreischiche Vocalgruppe „Bauchklang“ hat dort eine DVD produziert und die Schweizer Pianist Leo Tardin vom Projekt „Grandpianomax“ hat für seine aktuelle Cd „Smooth Dancer“ den Tablaspieler Karsh Kale aufgenommen. Auf diesem Weg sind lokale Acts wie Vivek Rajagopalan oder die Sängerin Shilpa Rao jetzt einem weltweiten Publikum bekannt gemacht worden.

Geht es um postkoloniale Musik, findet man in den Archiven des indischen Radios zum Beispiel die „Konkani“-Klänge. Im Bundesstaat Goa wurden jahrelang Schnulzen aufgenommen, von denen die Frankfurter Tontechnikerin Sigrid Pfeffer „vollkommen fasziniert“ war: „Es klang so gar nicht ‘indisch’, sondern erinnerte mich eher an Musik aus Jamaica oder Lateinamerika“. Sie recherchierte die Geschichte der Musik und stellte für das Münchner Label Trikont eine Cd zusammen: „Konkani – Music from Goa, Made in Bomba“. Diese Klänge – eine wilde Mischung aus Mariachi und kubanischem Son, europäischem Schlager und goanischer Folktradition – sind in den 60er und 70er Jahren entstanden. Diese Tradition geht bis auf die Christianisierung durch die portugiesischen Kolonialherren zurück – auch ein Stück indischer Musikgeschichte, die es zu entdecken gilt.

Wer es poppig mag und ganz im Stil des Hitliferanten Panjabi MC („Mundian To Bach Ke“), der sollte sich die Bhangra Brothers aus Stuttgart anhören. Deren Geschichte begann tatsächlich vor neun Jahren parallel zu Panjabi MC’s Charterfolg in Deutschland. Man brauchte damals für TV-Shows und andere Auftritte einen Inder, denn der Originalsänger Labh Janjua vom Mundian-Song war nicht verfügbar. So kam man auf Mammander Singh Kahi, der fortan den Hit mit DJ Panjabi MC auf vielen Bühnen und zahlreichen Preisverleihungen performte. Der Afghane mit indischer Abstimmung holte Gurinder Singh Bewas ins Boot und verpflichtete mit dem britischen Team RDB („Rhythm, Dhol, Bass“) die Speerspitze der Neo-Bhangra-Produzenten. Das Album „Sun Balye“ soll nun indische Beats von Deutschland aus in die Welt bringen. Keine schlechte Idee, schließlich verdankt Panjabi MC seinen weltumspannenden Erfolg letztlich auch den Trüffelschweinen vom Label Superstar Records.

Stefan Müller

links:

http://www.asiandubfoundation.com

http://www.bluefrog.co.in/

http://www.konkanirocks.com/

http://www.krunklive.com/about

http://soundcloud.com/tempotantrick

http://www.goethe.de/ins/in/lp/deindex.htm

http://www.bhangra-brothers.com

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21. März 2011 von Eastenders
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