Amsterdam Klezmer Band – Blitzmash

Die Amsterdam Klezmer Band hat sich rar gemacht auf den deutschen Konzertbühnen im vergangenen Jahr. Aber 2015 starten die sechs Musiker mit ihrem aus der Ukraine stammenden Sänger Alec Kopyt wieder durch – mit neuem Album und neuer Mission: „Blitzmash“. Das steht für zwei Dinge, so Klarinettist Janfie van Strien: „Alles muss schnell gehen“, das sei die eine Bedeutung. Die zweite: „Mashup“ steht für den Mix an Stilen, den wir auf diesem Album hören – und der ist vielseitiger denn je.

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Eine „Klatsche“

Für diesen Mix haben die Niederländer sogar noch einen weiteren Begriff auf Lager: „Klatschen“. „Das heißt auf jiddisch: alles vermengen“, erklärt Saxophonist Job Chajes. „Meine Mutter sagte das zu meinem Vater, wenn er einen Eintopf kocht: du machst eine Klatsche“. Für ihr neues Album hat die Amsterdam Klezmer Band ihren Horizont nochmals erweitert. Es gibt Polka, Rap, Funk, Reggae, Balkanpop, Jazz sowie orientalische Einflüsse. Diese Zutaten lassen die Klezmer-Tradition in einem ganz neuen Licht erscheinen, für Puristen vielleicht zweifelhaft. Für Job Chajes ist die Entwicklung der Band und ihrer Musik hingegen logisch: „Kulturen brauchen manchmal etwas länger, aber früher oder später vermischen sie sich“.

Skip & Die“ dabei

Ihren Produzenten Jori Collignon vom Globa-Pop-Duo „Skip & Die“ kennen die Amsterdamer schon aus seiner Zeit beim holländischen Rap-Kollektiv „C-Mon & Kypski“. Janfie van Strien: „Wir mögen seine Drumsounds und elektronischen Beats“. Die Arbeit am Album könne man sich wie bei einem Puzzle vorstellen. Alle sechs Musiker haben jeweils zwei Songs komponiert, das Gerüst aufgenommen und das Material an Jori weitergegeben. Beim Track „Ladybirds“ ist auch Cata.Pirata, die Sängerin von Skip & Die zu hören – als eine Art Reminiszenz an Künstlerinnen wie M.I.A.

Mehr Frauen denn je

Noch nie hat die Amsterdam Klezmer Band mit so vielen Sängerinnen gearbeitet: neben Cata.Pirata ist auch Lilian Vieira als Gast dabei, die Sängerin der holländisch-brasilianischen Band Zuco 103. Sie liefert einen lustigen Text ab, wie man zur Musik der AKB tanzen sollte („Steig mir nicht auf die Füsse!“). Die aus Marrokko stammende Sängerin und Poetin Samira Dainan rezitiert ihr Gedicht „Zwischen Gestern und heute“ und kontrastiert damit den Songtext von Job Chajes über zwei jüdische Menschen, einer davon ist sein Opa. Auch sehr poetisch geht es zu auf einem Song, dessen Text die türkische Sängerin Kivilcim beigesteurt hat.

Istanbul-Connection

Überhaupt, die Istanbul-Connection der Amsterdam Klezmer Band wird auf dem neuen Album wieder aktualisiert. Bereits vor zwölf Jahren hatte man mit der Galata Jazz Band ein gemeinsames Album aufgenommen. Nun taucht im Stück „Bambi Café“ das Gerüst von damals wieder auf – in einer modernisierten Version. Im Hinterkopf haben die Musiker bereits ihr 20jähriges Bandjubiläum im kommenden Jahr – Arbeitstitel: AKB 2.0.

Balkan-Hype? Egal!

Ende der 90er Jahre haben Janfie, Job und die anderen als Straßenmusiker angefangen. Das war – von den üblichen Durststrecken abgesehen – in Amsterdam damals durchaus lukrativ. Weil sich sehr viele Menschen für den neuen Sound aus Balkan, Gipsy und Klezmer interessierten. Die Amsterdam Klezmer Band hat es mit Durchhaltevermögen und Professionalität geschafft, sich eine weltweite Fangemeinde zu erspielen. Große Festivalzelte und -säle sind nun die Spielstätten. Aber ist der Balkan-Hype nicht vorrüber? Janfie: „Wir waren schon vor dem Hype da und sind es auch jetzt noch – weil es mehr ist als ein Hype“. Es werde immer ein Publikum für diese Musik geben – ähnlich wie beim Reggae Janfie: „Und wir haben immer noch den Turbo, den macht braucht!“. Job Chajes ergänzt: „Qualität ist eben Qualität – das verstehen die Menschen im Publikum“.

Und die Ukraine?

Zur aktuellen politischen Situation in der Ukraine könnte die Band viel erzählen – schliesslich ist Alec Kopyt, der aus Odessa stammt, seit mehr als zehn Jahren so etwas wie der Frontmann der Amsterdamt Klezmer Bad. Er hat „Mokum“ (jiddisch für Amsterdam) seine neue Heimat gefunden. „Wenn mir jemand vor 30 Jahren erzählt hätte, dass ich mal in einer traditionellen Band die Lieder meiner Heimat spielen würde, hätte ich ihn ausgelacht“, erklärt Kopyt. Nun singt er im Track „Bhangra Balkan Style“ über seine neue Rolle als polyglotter Sänger: „Ich habe mir gerade ein neues Ipad geleistet und nehme es mit auf die Tour de France“. Um damit Rad zu fahren? Nein, schmunzeln die Bandkollegen: Alec skypt damit immer Backstage mit den Verwandten in der Ukraine.

15. Januar 2015 von Eastenders
Kategorien: Aktuelles, Musik, Radio | Schlagwörter: , , | Comments Off on Amsterdam Klezmer Band – Blitzmash